Europa – Ein Kontinent als Beute

Am 22.02.17 feierte der Film “Europa – ein Kontinent als Beute” seine Premiere in Berlin. Mit nahezu psychedelischer Filmmusik, ungeschönten, nachdenklichen Bildern aus mehreren europäischen (Krisen-)Ländern und Experteninterviews als Hauptbestandteil setzt das Werk des Frankfurter Regisseurs Christoph Schuch von Beginn an auf das Gefühl von Ernüchterung. Hier von einem “Kinofilm” zu sprechen verfehlt den Ansatz des dokumentarisch organisierten Bewegtbildes völlig.

Mittlerweile auf dem Gebiet der Gesellschaftskritik bekannte Medienikonen wie Dr. Daniele Ganser oder Dirk Müller geben in gewohnter Manier Ihre Statements zu den politischen Geschehnissen in Europa zum Besten. Das Ganze wird untermauert mit Interviews vor Ort in Valencia von Aktivistinnen und Aktivisten die im Rahmen ihrer noch verbliebenen Möglichkeiten versuchen die europäische Öffentlichkeit auf die verbrecherischen Machenschaften ihrer und unserer Regierungsvertreter und Lobbyisten hinzuweisen. Auf den Spuren der “Route der Verschwendung” werden diverse Bauwerke monumentaler Korruption und systematischer Bereicherung an öffentlichen Gütern skizziert. Veruntreuungen in Millionenhöhe, die eine ehemals blühende, führende Volkswirtschaft mitten in Europa an den Rand eines Entwicklungslands führen werden ganz unverblümt aufsummiert. Als Zuschauer erlebt man den Eindruck sich in einer immer enger zuziehenden Schlinge zu befinden, als würde man auf ein ehemaliges Kriegsgebiet schauen, nur dass es sich dabei um das heutige Europa handelt, in dem nach wie vor dieselben prekären politischen Missstände herrschen wie zur Zeit der Krisen-Entstehung.

Der Film ist auch, oder vor allem, als Warnung gemeint: Schweigen die europäischen Bürger weiterhin und ertragen weiter alle Maßnahmen zur sukzessiven, aber lautlosen Abschaffung der “lästigen” Demokratie, so werden auch zukünftige Generationen in ganz Europa dasselbe Los ziehen wie die aktuelle, verlorene Generation in den Krisenländern.

Ein Werk welches ganz sicher nicht jedem Kinogänger behagt, da es schon fast schmerzhaft ehrlich und schwermütig von der Welt erzählt wie wir sie eigentlich gar nicht sehen wollen. Menschen die sich hingegen selbst schon länger mit diesen wirtschaftlich-gesellschaftlichen Zusammenhängen befassen, werden hier zwar nicht viel Neues erfahren, gehen aber dennoch mit dem zufriedenstellenden Gefühl nach Hause, dass es endlich mal jemand geschafft hat die diversen Facetten übersichtlich zusammenzufassen und auf eine Kinoleinwand zu bannen.

Das Hackesche Höfe Kino lud seine Gäste im Anschluss an die Premiere zu einem Gespräch mit den Regisseuren Christoph Schuch und Reiner Krausz ein, welche ihre Absichten und Gedanken im kleinen Kreis preisgaben.

Nico Tastic hat das Filmgespräch exklusiv für Dich aufgezeichnet, auf Wunsch des Regisseurs dürfen wir dieses jedoch nicht veröffentlichen.

Fazit: Der Gang ins Kino lohnt sich in jedem Fall. Es ist erstaunlich wie mit wenigen Mitteln und prägnanten Stilelementen ein Film entsteht, der alle Zuschauer zum Nachdenken und Diskutieren anregt.

Der offizielle Filmstart ist der 23.02.2017 in vielen deutschen art house Kinos, darunter sechs in Berlin. Für weitere Infos hilft ein Blick auf die offizielle Webseite des Films.

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