Waschnüsse vs. Chemische Waschmittel

Während sämtliche globale Bemühungen rund um das Thema “nachhaltiger Umweltschutz” regelmäßig an wirtschaftlichen und politischen Interessen scheitern, gibt es einige Dinge die jeder Mensch bewusst und aktiv selbst tun kann, um die Umwelt vor unnötigem Schaden zu bewahren. Und das sogar ohne dabei auf die Errungenschaften moderner Zivilisation verzichten zu müssen.

Eine dieser Möglichkeiten geht uns direkt an die Wäsche: Das Naturprodukt Waschnuss.

In diesem Artikel erfährst Du die wichtigsten Fakten über die Herkunft, die Verwendung, meine Testergebnisse und wo Du Waschnüsse kaufen kannst.

Als Kurzfassung kannst Du Dir auch einfach den folgenden, altehrwürdigen Videobeitrag vom HR3 anschauen:

Dieses altbewährte natürliche Erzeugnis ist so effizient und nachhaltig, dass Du Dich im ersten Moment wunderst weshalb es nicht alle Menschen längst zum Waschen benutzen, anstatt der extrem schädlichen Chemieprodukte. Doch dann wird Dir klar welches erhebliche Wirtschaftsrisiko die Waschnuss für die gesamte produzierende Industrie der chemischen Reinigungsmittel darstellt. Das dürfte wohl auch der (künstliche) Grund für ihre weitreichende Unbekanntheit/Ungenutztheit in unseren Breitengraden sein.


Herkunft und Historie

Die Waschnuss entstammt dem bis zu 25 Meter hohen Waschnussbaum “Sapindus Mukorossi”, welcher zur Familie der Seifenbaumgewächse zählt und hauptsächlich in China, Indien und Nepal, mittlerweile aber auch in Südamerika angesiedelt ist. In Nepal und Indien nutzt man die Waschnuss beispielsweise bereits seit vielen hundert Jahren als nachwachsenden Naturrohstoff zum Waschen von Haaren, Kleidung und im Haushalt sowie als biologisches Insektenschutzmittel und sogar als Heilmittel.


Verwendung als Waschmittel

Der für den Menschen wertvolle Teil der Waschnuss ist ihre Schale. Kommt sie mit Wasser unter Reibung in Berührung, so entsteht eine seifenartige, leicht schäumende Saponin-Lösung. Für uns in den westlichen Ländern hat sie damit vor allem als Waschmittel für die Waschmaschine Bedeutung.

Die Anwendung ist kinderleicht: Man füllt einen kleinen Stoffbeutel, je nach Wasserhärte und Verschmutzungsgrad der Wäsche, mit den Schalen von 6 – 8 Nüssen und gibt den Beutel einfach direkt in die Wäschetrommel. Es braucht keinen Weichspüler mehr (sollte man sowieso nicht einsetzen), da die Nussschalen bereits für eine seidige Wäsche sorgen. Bei sehr hartem, kalkhaltigen Leitungswasser kann man ohne Probleme z.B. Zitronensäure hinzugeben, diese beeinflusst die Waschwirkung der Nuss nicht negativ und ist ebenfalls natürlich.

Wie die Waschanleitung zeigt, eignet sich der Einsatz von Waschnüssen besonders für Allergiker und bei empfindlicher Haut. Man kann die benutzten Nüsse sogar für einen zweiten Waschgang einsetzen und anschließend ganz nachhaltig über den Bio-Müll entsorgen.


Testergebnisse

Zunächst war ich den Nüssen doch recht skeptisch gegenüber, als ich sie zum Testen spaßeshalber im Supermarkt gekauft hatte:

  • Können ein paar Nussschalen wirklich mit konventionellen Chemiewaschmitteln mithalten?
  • Wird das nicht stinken, abfärben oder sich in der Maschine auflösen?
  • Ist die Wäsche danach wirklich sauber und rein?
  • Kostet das im Dauereinsatz nicht viel zu viel?

Für meinen ersten Test habe ich zunächst mal ein paar Sport-Kleidungsstücke mit 3-4 Nussschalen in dem kleinen mitgelieferten Baumwollsäckchen zum Waschen gestartet.

Erstes Ergebnis: Die Sportklamotten stanken vor dem Waschen schon sehr stark nach Schweiß. Nach dem Waschen war davon rein gar nichts mehr zu riechen. Das Erstaunliche: Die Wäsche roch nun fast gar nicht mehr nach irgendetwas. Ich persönlich finde das phänomenal, denn wer seine Wäsche ab und zu in der Wohnung und nicht auf dem Balkon trocknet, der weiß wie extrem die üblichen chemischen Waschmittel beim Trocknen ausdünsten und die ganze Wohnung mit einem unangenehm künstlichen Geruch eingasen. Das war hier nun überhaupt nicht mehr der Fall. Alles was beim Trocknen bleibt ist die etwas erhöhte Luftfeuchtigkeit im Zimmer.

Zweiter Test: Weiße Wäsche mit Waschnüssen waschen. Nachdem ich gelesen hatte, dass den Waschnüssen gegenüber den chemischen Mitteln die bleichenden Substanzen fehlen, war ich skeptisch ob weiße Wäsche wirklich weiß bleibt. Diesmal eine komplette Wäsche mit hauptsächlich weißer Kleidung und ca. 8 Nüssen in einem größeren, etwas grobmaschigerem Beutel aus Polyester(siehe Foto).

Ergebnis 2: Selbst etwas ernstere Flecken auf einem weißen T-Shirt sind beim Waschen vollständig raus gegangen. Die “Weißheit” der Wäsche war zumindest nach diesem einen Waschgang kein Stück schlechter als beim herkömmlichen Mittel. Über die Langzeitwirkung kann ich an dieser Stelle natürlich noch nichts sagen.

Fazit: Waschnüsse können definitiv mit konventionellen chemischen Mitteln mithalten, übertreffen diese sogar in ihrer Geruchsneutralität, Hautverträglichkeit und natürlich Nachhaltigkeit. Die Nüsse selbst färben nicht im geringsten ab, lösen sich auch nicht auf, nicht mal bei grobmaschigen Beuteln und die Wäsche ist anschließend wirklich sauber und rein. Meine persönliche Entscheidung steht damit von un an fest: Chemieprodukte im Regal stehen lassen, Waschnüsse in den Einkaufswagen.


Waschnüsse kaufen & Preise

Man bekommt die äußerst nützlichen und vor allem nachhaltigen Nussschalen mittlerweile sehr einfach über das Internet oder aber sogar im Einzelhandel vor Ort. Ich habe meine erste Packung z.B. bei Kaufland im Regal neben den Chemiewaschmitteln gefunden. Der Preis für die 500g lag bei 3,95 €, was also 7,90 € pro Kilogramm bedeutet. In unserem Zweierhaushalt waschen wir damit jetzt seit ca. einem Monat und die Packung ist noch zu 3/4 gefüllt. Somit nehme ich mal an, dass wir mit der Packung etwa vier Monate hinkommen sollten wenn wir es nicht übertreiben.

Vorher haben wir das Flüssigwaschmittel von Frosch verwendet, wobei der 1,8l Beutel etwa 3,35 € kostet und nur knapp 3 Monate vorhält. Nach dieser Milchmädchen-Rechnung sollten wir also sogar etwas sparen, mindestens aber kosten-neutral bleiben durch den Umstieg auf die Nüsse. Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Sachsen-Anhalt behauptet sogar eine Kostenersparnis von 50% gegenüber herkömmlichen Mitteln.

Das bessere Gewissen gegenüber unserer Natur gibt es dann gratis mit dazu.

Aber: Wie auch bei anderen Importwaren aus strukturschwächeren Ländern solltest Du Dich am Besten mal informieren, ob die Produktion des Herstellers vor Ort unter fairen Bedingungen geschieht. Die Gefahr regionale Märkte mit dem verstärkten Export in den Produktionsländern zu zerstören sollte nämlich nicht kleingeredet werden. Also z.B. einfach mal eine Mail an “Bio Santos” schicken und gezielt nachhaken.

4 Gedanken zu “Waschnüsse vs. Chemische Waschmittel

  1. Um den unfairen Produktionsbedingungen und übermäßigem ökologischen Fußabdruck vorzubeugen, der zwangsläufig beim Transport von Indien nach Deutschland entsteht, kannst du übrigens auch auf ein weiteres Naturprodukt zurückgreifen, was ebenfalls zu den saponhaltigen Pflanzen gehört: Efeu. Und das Beste ist, das Zeug wächst überall und ganzjährig. Die Wascherfolge sind absolut vergleichbar.

  2. Hei Nico,
    schau Dir nochmal den Artikel an, ist zwar schon etwas älter, habe bisher keine aktuellen Quellen gefunden, aber es scheint so, als würde in Indien kaum jemand mit der Waschnuss waschen, weil chemische Waschmittel um einiges günstiger sind und viele Inder*innen selbst auch per Hand waschen und das mit konventionellen Mitteln einfacher geht 🙁

    http://www.oneworld.at/start.asp?ID=231518

    • Danke für den Link zu dem interessanten Beitrag Judith! 🙂 Es wird ganz gut beschrieben, wie der westliche Konsum und die damit verbundene Exportsteigerung Indiens die Preise im Produktionsland vervielfacht. Es wird allerdings auch angeführt, dass würde man die Waschnuss nicht mehr kaufen, der Wirtschaft und Ökologie des Landes noch mehr geschadet wäre, da dann die Bäume primär zur Brennholzgewinnung verwendet würden, es zu Kahlschlag käme und die neu gewonnene Einnahmequelle wieder abhanden käme, somit die Armut erneut ansteigen würde.
      Ich denke insgesamt kann man es wohl nur schwer vermeiden beim Umstieg von chemischen Waschmitteln auf Naturprodukte keine sozioökonomischen Folgen herbeizuführen, doch letztlich ist die Frage welche Entscheidung die stärkeren Nachteile birgt. Nach wie vor würde ich behaupten, dass die Produktion von chemischen Waschmitteln in ihrer gesamten “Wertschöpfungskette” deutlich stärkere negative Auswirkungen nicht nur auf die Natur, sondern auch auf den Verbrauch der Ressourcen unserer Erde und auf die Verschmutzung der Gewässer und Ozeane hat. Somit halte ich einen Umstieg auf Waschnüsse, Efeu, oder ähnliche natürliche Mittel auf lange Sicht auch für die Produktionsländer für verträglicher als einfach so weiter zu machen.

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