Wie man den günstigsten Preis im Internet findet

Wer heutzutage seinen Einkauf am liebsten online tätigt wird dabei häufig von der Fülle der Angebote und der Anzahl verschiedener Online Shops erschlagen. Egal für welchen Laden und welches Angebot man sich schließlich entscheidet, es bleibt immer der bittere Nachgeschmack einer Ahnung, dass es vermutlich irgendwo in den Tiefen des Internets doch noch einen Shop gegeben haben könnte der einen besseren Deal anbietet.

Diesem Problem begegnet Google schon seit Langem mit seiner Produktsuche “Google Shopping”, bei der die Händler gegen eine Anzeigengebühr ihre Produktangebote in sog. Product Listing Ads (PLA) mit den stündlich aktuellsten Preisen listen können. Der bequeme Durchschnitts-User soll durch die prominent platzierten Produktanzeigen direkt von seiner Suchanfrage zu Google Shopping und schließlich auf das vermeintlich günstigste Angebot weitergeleitet werden, um dort zu kaufen.

Google PLA mit dem angeblich günstigsten Preisangebot

Doch wie gut ist der Produktvergleich auf Google Shopping wirklich? Werden hier wirklich immer die besten Deals und günstigsten vergleichbaren Preise angezeigt? Achtung Spoiler: Nein. Was also tun, um zum tatsächlich günstigsten Schnäppchen unter allen Online Shops zu gelangen?

Die Lösung ist sehr simpel, erfordert jedoch wie so oft ein paar mehr Schritte als einfach nur auf der Suchergebnisseite auf “Shopping” zu klicken. Immer wenn es an Vergleichen oder alternativen Informationsquellen mangelt, heißt es sich selbst welche zu beschaffen. Getreu dem Motto: “Traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast!”. Das gilt natürlich auch für Preisvergleiche im Internet. Anstatt sich nur auf eine Quelle wie z.B. Google Shopping, Amazon oder ebay zu verlassen, sollte man lieber auf viele verschiedenen Informationsquellen gleichzeitig setzen.

Den schnellsten Weg zum Ziel stellen dabei Preisvergleichsportale dar. Diese Portale verdienen ihr Geld, ähnlich wie Google, mit sog. CPC Links, also Produktlinks zu Online Shops, welche ihrerseits dann einen Obolus an die Preissuchmaschine entrichten. Im Gegensatz zu Google leben diese Preisportale vor allem aber auch von einem möglichst umfassenden Datenbestand an gelisteten Preisen und Shops. Zusätzlich ermöglichen die günstigeren Gebühren auch kleineren Shops dort gefunden zu werden.

Hier nun also 5 Schritte und Tipps, um den tatsächlich günstigsten Online Preis eines beliebigen Produkts im Internet zu erhalten:

  1. Eine genaue Produktbezeichnung und ID verwenden. Je allgemeiner der Suchbegriff zum Produkt lautet, desto mehr Ergebnisse erhält man zwar, desto mehr Aufwand muss man allerdings in die nachträgliche Filterung der Produktdaten investieren. Ist die genaue Modellbezeichnung bekannt, hilft es oft zunächst die dazugehörige Produkt-ID  bzw. den Produktcode zu ermitteln.
    Beispiel: Wir suchen nach einer Grafikkarte. Es soll das Modell Geforce GTX 1080 des Herstellers JetStream in der 8GB Variante sein.
    Neben der EAN bzw. GTIN als internationale Identifikationsnummer bietet sich insbesondere der Produktcode des Herstellers an. Häufig gibt es mehr als eine Ausführung für ein und dasselbe Modell, z.B. durch spätere Produktrevisionen oder unterschiedliche Zielmärkte und Produktfeatures. Der Produktcode stellt sicher, dass wir genau die Version des Modells finden, welche wir haben möchten. In diesem Fall wäre das die Version mit dem Code NEB1080015P2J.

    Produktcodes der verschiedenen Modellversionen (geizhals.de)
  2. Auf verschiedenen Preissuchmaschinen parallel suchen. Neben der Standard Google Suche und Amazon sollte am besten immer jeweils ein weiterer Tab für geizhals.de, idealo.de und billiger.de geöffnet werden. Nur so erhalten wir ein möglichst breites Bild des jeweils vermeintlich günstigsten Angebots.

    Angebotsvergleich auf geizhals.de
  3. Echte Versandkosten und Verfügbarkeiten nachprüfen. Bei der enormen Menge an Produktangeboten kommt es häufiger vor, dass die Vergleichsportale nicht immer die tatsächlichen bzw. aktuellsten Versandkosten und Lagerbestände abbilden. Daher gilt es beim jeweils günstigsten Angebot inkl. Versand auf der verlinkten Produktseite des Online Shops die realen Konditionen nachzuprüfen. Teilweise ergeben sich durch Aktionen oder Kombinationen mit anderen Produkten zusätzliche Versandeinsparungen oder aber durch ausgelaufene Rabattaktionen tatsächlich höhere Kosten als noch in den Suchergebnissen angegeben.
  4. Die Zeit zum Verbündeten machen. Je nachdem wie dringend die Anschaffung des gesuchten Produkts ist, kann es mitunter sehr lohnend sein auf den richtigen Kaufzeitpunkt zu warten. In Zeiten globaler Märkte und Produktionsstätten ändern sich Online Preise teilweise minütlich oder sogar sekündlich. In jedem Fall aber gibt es für fast jedes Produkt Preisschwankungen im Verlauf von Wochen und Monaten. Neben der weltweiten Verkaufssaison um Festlichkeiten wie Weihnachten oder Ostern herum, sorgen auch größere Rabattwochen oder Feiertagsaktionen wie der Black Friday, Winter Sale oder Summer Sale regelmäßig für ordentliche Preisänderungen. Vor allem bei Elektronik kommt noch der teilweise erhebliche Preisverfall aktueller Modelle hinzu.
    In der Regel fehl es dem Suchenden jedoch an einer übersichtlichen, zeitlichen Darstellung der durchschnittlichen Preisänderungen. Auch hier helfen die drei genannten Portale mit entsprechenden Diagrammen zur Preisentwicklung weiter.

    Preisentwicklung Statistik von geizhals.de

    Das gezeigte Preisentwicklungsdiagramm zeigt wie stark der Preis für die Grafikkarte seit Mai 2016 bereits gefallen ist, wann der niedrigste Wert erreicht wurde und welche Tendenz daraus abzuleiten ist. Prinzipiell sollte immer der größtmögliche verfügbare Zeitraum betrachtet werden. Bei neueren Produkten kommt die Schwierigkeit hinzu, dass es kaum Preisdaten aus der Vergangenheit gibt und somit der angezeigte Trend nur weniger Aussagekraft hat. Hierbei hilft es ggf. den Preistrend eines Vorgängermodells zu Rate zu ziehen, um abzuleiten in welchem Monat/Quartal der voraussichtlich stärkste Preiseinbruch zu erwarten ist.
    Beispielsweise konnte ich bei mehreren PC-Komponenten feststellen, dass jeweils im Januar/Februar, also nicht vor sondern nach Weihnachten oftmals bereits fallende Preise erneut ansteigen, es also i.d.R. weniger Sinn macht in diesen Monaten zu kaufen, sondern lieber bis März zu warten, wenn die Preise sich wieder normalisieren.
    Hat man die bisherigen und voraussichtlichen Preisentwicklungen analysiert und durchdacht, so lohnt es sich die vorhandenen Preisalarm-Funktion des jeweiligen Portals zu nutzen. Den Alarm oder auch “Preisagent” setzt man für den voraussichtlich erreichbaren Preis, den man zukünftig vermutet in einem definierten Zeitraum zu erreichen und den man bereit wäre für das Produkt zu zahlen. Sobald dieser Preis dann erreicht oder unterschritten wird, erhält man eine E-Mail und kann entsprechend schnell zuschlagen.

    Preisagent von geizhals.de für die kommenden 2 Monate für kurzfristig verfügbare Lagerbestände

    Prinzipielles Vorgehen:

    • Vergangene Preisentwicklungen auf mögliche Trends zu Tiefpunkten in der Zukunft analysieren
    • Bei größeren Schwankungen das bisher erreichte Minimum als möglichen Zielwert für den zu wählenden Kaufzeitpunkt prüfen
    • Saisonale Konsumtrends, Feiertage und preisrelevante Ereignisse in die Trendanalyse mit einbeziehen und für die Zukunft vorausdenken
    • Preisalarm für den gewünschten (realistischen!) Preis in der Zukunft setzen
      (auch hier gilt: je mehr Portale man dazu nutzt, desto sicherer das Ergebnis, aber desto aufwändiger wird es auch)
  5. Preise und Vergleiche übersichtlich speichern. Nur wer eine unabhängige Übersicht hat, kann später verlässlich nachvollziehen, wie sich die zum jeweiligen Zeitpunkt günstigsten Preise im Web tatsächlich ändern. Hierzu genügt eine einfache Tabelle in Excel oder ein Google Spreadsheet, um die Preise, Zeitpunkte, Produkt-IDs und ggf. Links zu den Shops übersichtlich zu speichern und später vergleichen zu können. Und schließlich kann man mit einer solchen Tabelle auch die später tatsächlich angefallenen Ausgaben festhalten und inkl. Versandkostenkombinationen auswerten. Wem das zu viel des Guten ist, der kann sich natürlich auch allein auf die Preisentwicklungs-Diagramme der Suchportale stützen, welche aber z.B. durch Datenfehler teilweise nicht immer vollkommen zuverlässig sein können. Manchmal genügt auch ein Lesezeichen im Browser, welchem man den aktuell günstigsten Preis im Namen hinzufügt. So kann man zwar keinen Verlauf abbilden, hat aber zumindest einen sehr einfachen Vergleichswert aus der Vergangenheit auf einen Blick parat.

Zum Abschluss dieser 5 Tipps noch ein Hinweis:
Bitte darauf achten, dass es natürlich nicht nur sinkende Preistendenzen geben kann. Beispielsweise erleben RAM-Speichermodule seit einigen Monaten einen starken Aufwärtstrend. Wer hier zu lange vergeblich auf fallende Preise wartet, der könnte später enttäuscht werden. Zu sehr verlassen sollte man sich auf Preisalarme & Co. also nicht. Um die Entwicklung am Markt richtig einschätzen zu können helfen oft auch Nachrichten aus Fachforen und -magazinen, die auch über kommende Verkaufstarts von Nachfolgermodellen frühzeitig informieren und damit eventuelle Preiseinbrüche besser abschätzen lassen.

Ich hoffe diese Tipps helfen Dir bei Deiner nächsten Anschaffung den wirklich besten Preis im Netz zu finden und Dich nicht von den großen Playern an der Nase herum führen zu lassen. Bleib kritisch und lass mir gern Deine Meinung da!

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